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Die Maske
und das Licht
Zwei Songs über Anpassung, Identitätsverlust
und die Rückkehr zu dem, was was man ist.
„Ich hab das Dunkle nicht besiegt
Ich hab ihm die Hand gegeben
Kenn mich im Licht und in der Nacht —
das ganze Leben."
Zwei Songs, im Abstand weniger Wochen veröffentlicht, aus zwanzig Jahren gemeinsamem Vorlauf. Sie gehören zusammen, auch wenn sie nicht als Paar geplant waren — erst im Nebeneinander wurde hörbar, dass sie dieselbe Bewegung aus zwei Richtungen durchlaufen.
Played Like A Boss beschreibt einen Mechanismus: die Rolle, die so gut sitzt, dass sie das Selbst frisst, in dem sie getragen wird. Der Text trägt eine Sprache, die so nah an den Begriffen liegt, mit denen autistische Menschen das Phänomen Masking beschreiben, dass die Überlappung an manchen Stellen fast deckungsgleich wird. Wir haben das beim Schreiben nicht bemerkt — der Hinweis kam von außen.
Die Norm beginnt dreißig Jahre früher, bei einem siebenjährigen Kind, das einen Spalt hinter dem Bild sieht, den niemand in seinem Umfeld zu erkennen scheint. Sie durchläuft Anpassung und endet in einer Bewegung, die seltener und mutiger kaum sein kann: als der Zustand, den Played Like A Boss beschreibt: einer Art Rückkehr. Nicht Überwindung, nicht Versöhnung. Eher: Wiedererkennen.
Diese Seite fasst beide Stücke zusammen — nicht als Aufklärung, nicht als Botschaft, sondern als Raum, in dem sie sich gegenseitig kommentieren können. Wer sich darin erkennt, ist willkommen. Wer nicht, geht weiter, ohne etwas zu verpassen.
Played
Like A Boss
„Je besser ich entsprach,
desto leerer wurd der Rahmen."
Die nüchterne Beschreibung des Mechanismus, der englische Refrain als die ewige Suche — „And I played as I was / And then I played what I was / And I played like a boss / Till I lost what I was." Vier Variationen auf was, durch die ein Selbst sich herausrechnet.
Alle reden von sich selbst, doch sie meinen nur „wir sehen"
Was erlaubt ist, was nicht – unausgesprochene Pflicht
Wenn du anders dich bewegst, passt dein Schatten hier nicht
Zwischen „werd wer du bist" und „pass dich an" – kein Trick
Hab gelernt, mich zu formen, Ecken sauber zu schleifen
Denn hier zählt nicht, wer du bist – nur, ob andre dich greifen
Jede Rolle saß perfekt, doch ich wusste nie, wie ich
Mich beschreib ohne den Rahmen, den sie mir gegeben haben
Denn je besser ich entsprach, desto leerer wurd der Rahmen
When the lines overflow?
Where do you go? My oh my, you go
Where the silence grows
And I played as I was
And then I played what I was
And I played like a boss
Till I lost what I was
And I felt I was all alone on my own
Yeah I felt I was left alone on my own
Jeder trägt 'ne kleine Rolle, die das Außen akzeptiert
Kein Schatten integriert, alles formbar hinter Licht
Was du gestern noch warst, bist du morgen lieber nicht
Doch der Preis ist Identität – Stück für Stück gehst du raus
Also baust du dir ein Ich aus Erwartung und Blicken
Doch je mehr du dem entsprichst, desto schwerer wird's zu fühlen
Could not name what was wrong
Could not reach anyone
Every voice pulling strong
Saying who to become
Something right, something clean
Fit the shape, fit the scene
But the more that I leaned
The less I felt I had been
When the lines overflow?
Where do you go? My oh my, you go
Where the silence grows
And I played as I was
And then I played what I was
And I played like a boss
Till I lost what I was
Nur ein Kreis, der sich dreht …
Doch ich brech ihn für UNS …
Auch wenn keiner versteht …
Die Norm
„Ich hab das Dunkle nicht besiegt
— ich hab ihm die Hand gegeben."
Biografisch, nicht diagnostisch. Ein Ich, das mit sieben beginnt und in einer Selbstbegegnung endet, die nicht in Erlösung kippt. Das Licht in der Hand ist kein Sieg; es ist die nüchterne Beobachtung, dass es nie erloschen war — auch wenn niemand es sehen konnte.
Ich war allein — doch nicht leer in mir
Du bist es nicht wert
Du wirst leiden
Wie wir es gelernt."
Wie ein Spalt zwischen dem Licht
Sie erklärten mir die Welt
Doch sie sahen dieses nicht
Sah den Spalt hinter dem Bild
Sah die Maske in den Spiegeln
Die sich ständig neu verhüllt
Also lernte ich zu schweigen
Gab dem Nichts dann einen Namen
Um das Etwas zu vermeiden
Jedes Fühlen war kontrolliert
Jede Frage war ein Fehler
Jedes Kind wird normiert
Doch sie werden es nicht sehen
Nicht weil es nicht wie Feuer brennt
Sondern weil sie nicht mehr sehen
Dass ich fast darin verschwinde
Doch hier im Dunkel steh ich still
Und vertrau auf meine Sinne
Gott, so sicher
Hatten Regeln
Hatten Sinn
Hatten Worte
Für das Leere
Überzeugung
Gegen Sinn
Es ist leichter als zu sehen
Tauschte Wahrheit gegen Ruhe
Um im Gleichklang zu bestehen
Jedes Fühlen — eine Norm
Jede Frage — eine Schwäche
Jedes Kind — einem Zwecke
jetzt weiß ich warum's keiner sieht —
nicht weil's nicht in mir brennt
weil sie fürchten sich zu fühlen
Ich hab ihm die Hand gegeben
Kenn mich im Licht
und in der Nacht —
das ganze Leben
Nicht als Botschaft,
sondern als Raum.
Diese Seite entstand, nachdem uns von Leser:innen aus dem autistischen Umfeld zurückgespiegelt wurde, wie nah die Sprache dieser beiden Lieder an dem ist, was dort über Masking, Anpassung und Identitätsverlust geschrieben wird. Wir selbst sind nicht autistisch diagnostiziert; die Songs sind aus anderer Erfahrung entstanden — zwei Jahrzehnte Arbeit an einer Alienation, für die wir lange kein Vokabular hatten. Die Überlappung ist real, sie ist nicht von uns konstruiert, und sie ist keine Behauptung über euch.
Was wir anbieten, ist nicht Botschaft, sondern Raum. Wer sich in ihm wiedererkennt, soll sich wiedererkennen dürfen. Wer nicht, soll weitergehen dürfen, ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Über jede Form von Resonanz — Zustimmung, Widerspruch, Weiterreichen, Schweigen — freuen wir uns.
Ich hab durch die Musik anderer in bestimmten Phasen mehr gehalten bekommen als durch alles andere. Diese Seite ist der Versuch, etwas davon zurückzugeben — Raum, kein Anspruch.